Aus zwei riesigen, etwa 120 Jahre alten Weißtannen schnitzten Archäologen und der Pfahlbauverein Attersee Einbäume nach prähistorischem Vorbild.
Vor rund 8.000 Jahren waren die aus einem einzigen Baumstamm geschlagenen Boote das wichtigste Verkehrsmittel an den Gewässern des Alpenraums. Foto: Gerald Egger
Fast 50 Meter hoch mit einem Umfang von bis zu 3,4 Metern waren die beiden Bäume, die im Revier Loibichl der Österreichischen Bundesforste in der Nähe des Egelsees bei Unterach am Attersee geerntet wurden. „Die Weißtanne ist eine für die Region typische und vor allem ökologisch wertvolle Baumart“, so Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager. „Für die beiden Einbäume haben wir in unseren Wäldern am Attersee zwei besonders monumentale Baumexemplare ausgesucht, die in ihren Dimensionen einzigartig sind."
 
Ein Archäologie-Team der Universität Wien und der Pfahlbauverein Attersee verarbeiten die neun Meter langen Rundholzstämme zu Einbaum-Booten. „Bei einem Stamm verwenden wir Werkzeuge, die nach Vorbild von Originalfunden aus der Stein-, Bronze- und Eisenzeit hergestellt wurden“, berichtet Gerald Egger vom Pfahlbauverein Attersee. „Wir wollen damit den ursprünglichen Charakter eines Einbaums für alle erlebbar und nachvollziehbar machen.“
 
In insgesamt 600 Arbeitsstunden wurde von Hand zuerst der Rumpf des Bootes abgeflacht, an den Enden Bug und Heck ausgestaltet und die Innenseite des Baumstammes grob ausgehöhlt. Zusammen mit einem weiteren, maschinell gerfertigten Einbaum wurde das Steinzeit-Boot im Attersee versenkt und bleibt nun für mehrere Wochen im See. „Durch die Wasserung kommt das Holz „zur Ruhe“ und hört auf zu arbeiten. Damit wird auch der später über Wasser befindliche Einbaum-Teil widerstandsfähiger gegen pralle Sonneneinstrahlung, Wind oder Regen“, sagt Freidhager.
 
Nach den Wochen im Wasser werden die Holzriesen geborgen, an Land getrocknet und in Feinbearbeitung zu Original-Einbäumen ausgestaltet. Vom 25. bis 31. Juli 2016 kann die Arbeit der Einbaum-Bauer auf der Seewalchener Promenade hautnah miterlebt werden. Zum Einsatz kommen die Boote erstmals im Rahmen des Attersee-Weltkulturerbefestes am 6. August: Nach prominenter Taufe werden die Boote zu Wasser gelassen und dienen dann unter anderem als prähistorische Rennboote.
 
 
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